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Meisterwerke bulgarischer Musikkultur:

Dimitar Waltschew – „Eine bulgarische Rose“

Sonntag, 4 Januar 2026, 10:30

Dimitar Waltschew während einer Aufnahme im Ersten Studio des Bulgarischen Nationalen Rundfunks (1971)

Dimitar Waltschew während einer Aufnahme im Ersten Studio des Bulgarischen Nationalen Rundfunks (1971)

FOTO Privatarchiv

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Das Werk des großen Musikers Dimitar Waltschew für die bulgarische Bühne, das Kino, das Fernsehen und die populären Genres ist nicht nur beeindruckend umfangreich, sondern gilt seit Langem als klassisches nationales Erbe. Aus seiner innigen schöpferischen Freude entstanden unvergessliche Hits – darunter der beliebteste, der über die Jahrzehnte den Status einer inoffiziellen Nationalhymne erlangte: „Eine bulgarische Rose“. Der Text stammt von Najden Waltschew, der zwar Jura studierte, jedoch seit den 1950er-Jahren als Journalist und Übersetzer erfolgreich war. Der Text stammt von Najden Waltschew, der am 3. Dezember 2025 im Alter von 98 Jahren von uns geschieden ist. Der Dichter hat zwar Jura studiert, war jedoch seit den 1950er-Jahren als Journalist und Übersetzer erfolgreich.

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Im Jahr 1968 war Sofia Gastgeber des neunten Weltfestivals der Jugend und Studenten. Zu diesem Anlass rief der Schriftstellerverband einen Wettbewerb für passende Liedtexte aus. Najden Waltschew reichte mehrere Strophen ein, die jedoch vom Auswahlgremium abgelehnt wurden. Einige Zeit später traf der Dichter zufällig den Komponisten Dimitar Waltschew und bat ihn, das Gedicht zu lesen. „Er las es, sagte wenig Schmeichelhaftes über die Jury und fügte hinzu: ‚Das ist ein fertiges Lied, das aufgenommen werden muss.‘ Zwei, drei Tage später rief er mich zu sich und spielte und sang es mir vor“, erinnerte sich der Dichter später in einem Interview für bTV. 

Pascha Christowa

FOTO Privatarchiv

„Eine bulgarische Rose“ wurde schließlich für den damals prestigeträchtigsten bulgarischen Wettbewerb für populäre Musik zugelassen – den „Goldenen Orpheus“. Auf die Frage von Najden Waltschew, wer das Lied singen werde, antwortete der Komponist lediglich: „Ein junges Mädchen.“ Beim „Goldenen Orpheus“ 1970 erhielt die 24-jährige Pascha Christowa weder den Großen Interpretationspreis noch eine Auszeichnung im internationalen Wettbewerb. Sie sang zwei Titel: „Weh, Wind“ von Josif Zankow und Dimitar Wassilew sowie „Eine bulgarische Rose“ von Dimitar Waltschew und Najden Waltschew. Das erste Lied bekam den Großen Preis für bulgarische Lieder, das zweite – den Ersten Preis. Für viele Fachleute und Musikliebhaber bleibt es bis heute schwer erklärbar, warum das Lied von Dimitar Waltschew nicht die höchste Auszeichnung erhielt – wahrscheinlich entsprach dies der damaligen Konjunktur. 

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Zu Lebzeiten litt der Komponist am Gefühl, unterschätzt zu werden. Die Erinnerungen in seiner autobiografischen Buch „Die andere Saite“, das 1992 erschien, sind von Bitterkeit geprägt. Als er Bilanz zieht und sein Schaffen als Schlager-Komponist reflektiert, kommt Dimitar Waltschew zu dem Schluss, dass seine Werke „allesamt künstlerische Unterhaltungskompositionen mit eigener Dramaturgie, eigenem Profil, reicher Orchestrierung und meisterlichen Interpretationen“ seien. Er zählt berühmte Sängerinnen und Sänger auf, von denen er „keinen Tropfen Aufmerksamkeit“ erhielt, und zieht die weise Schlussfolgerung: „Vielleicht passe ich nicht in die Parameter des allgemein akzeptierten Schlager-Geschmacks… Ich wollte nie modisch sein. Ich bin kein Schneider mit berühmtem Salon. Aber ich behaupte, mir in diesem schwierigen und zugänglichen Genre einen Stil erarbeitet zu haben – meinen Stempel, meine Marke. Dass ich Texte mit beachtlicher Kunstfertigkeit musikalisch gestalte und ihre Dramaturgie hervorhebe, soweit sie in der Poesie vorhanden ist.“ 

Gedenktafel für Dimitar Waltschew in seiner Heimat Assenowgrad

FOTO Privatarchiv

Warum wurde einer der produktivsten bulgarischen Komponisten übergangen, vernachlässigt, frühzeitig pensioniert? Der bekannte Schauspieler und Sänger Widin Daskalow bringt es auf den Punkt: „Wir haben ein bulgarisches Syndrom, das ‚Neid‘ heißt… Diejenigen, die Libretti schrieben, fürchteten ihn als Librettisten, und jene, die Musik schrieben, fürchteten ihn als Komponisten…“ 

Im Jahr 2000 wurde „Eine bulgarische Rose“ zum „Bulgarischen Lied des Jahrhunderts“ erklärt.