Autor
Darina Grigorowa
Artikel
Samstag 27 Dezember 2025 15:12
Samstag, 27 Dezember 2025, 15:12
FOTO bessarabiainform.com
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Pater Genadij Martinow ist ein bessarabischer Bulgare, geboren im Dorf Devetlij, Region Odessa (Ukraine). Vor zwei Jahrhunderten lebte seine Familie in Ostthrakien, in der Nähe von Edirne, aber nach dem Ende des Russisch-Türkischen Krieges (1828–1829) wanderten seine Vorfahren während der Massenauswanderungswelle nach Bessarabien aus, um den türkischen Übergriffen zu entkommen.
Seitdem bleibt Bulgarien im tiefsten Inneren ihrer Herzen, um ihren bulgarischen Geist von Generation zu Generation zu stärken. Ohne es jemals gesehen zu haben, ist es für sie das heiligste Land, das sie alle lieben und von dem sie mit Ehrfurcht sprechen. So ist auch für Pater Genadij „Bulgarien etwas Außergewöhnliches, etwas Wunderbares, etwas Helles“ – es ist die Wurzel seines Herzens, seines Blutes.
Im Alter von 28 Jahren änderte Gott sein Schicksal so, dass er die Kraft des christlichen Glaubens entdeckte, der heilt und Wunder vollbringt. Nachdem er um die Heilung seiner Tochter von einer unheilbaren Krankheit gebetet hatte, widmete er sein Leben dem Dienst Gottes und begann seinerseits als Priester für die Kranken und Leidenden zu beten, Menschenseelen zu retten und eine Kirche aus lebendigen Menschen aufzubauen.
„Wo Wärme bleibt, wo Hoffnung bleibt, wo Glaube entsteht, verändert sich auch das Leben des Menschen, und ich bin dabei“, bemerkte Pater Genadij. „Das ist mir wichtig.“
Mit väterlicher Fürsorge und Liebe wendet der Priester viele Menschen zu Gott und richtete eine Suppenküche für Bedürftige in der Kirche „Heilige Gottesmutter – Freude aller Betrübten“ in der Stadt Arzys ein, deren Vorsteher er ist.
Er lässt sich vom Beispiel des Heiligen Johannes von Kronstadt inspirieren, der die innere Welt des Menschen offenbart, seine komplexen Wechselwirkungen mit der Gesellschaft und wo der Glaube nützlich sein kann:
„Der Mensch ist darauf ausgerichtet, einen Beruf zu erlernen, hat ein Hobby und möchte seinen Horizont nicht weiter erweitern. Für den Glauben muss man sich ein wenig anstrengen, Aufmerksamkeit, Ausdauer und Neugierde zeigen. Und dann beginnen andere Bereiche, die einen bisher nicht interessiert haben, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Und der Glaube ist genau das, worauf man sich einlassen muss, wo man den Atem anhalten, Aufmerksamkeit zeigen und andere Sinne einschalten muss, die einen inspirieren, die einen für etwas anderes als das Gewohnte begeistern. Um einen Menschen für ein gutes Beispiel zu begeistern, muss man wissen, was er liebt, was ihm leichter fällt. Auf diesen Prinzipien gründet der heilige Johannes von Kronstadt sein Haus der Fleißigkeit und Barmherzigkeit, wo er es schafft, die armen Kinder und Frauen der Banditen von Kronstadt zu versammeln, damit sie ihre Talente im Handwerk ausüben, anstatt zu stehlen und zu betteln. Auf diese Weise versammeln sich um die Kirche herum neben den Gottesdienstaktivitäten auch Menschen, die mit ihren Fähigkeiten und Begabungen ebenfalls der Kirche und ihrer Idee der Fürsorge für die Gesellschaft dienen“, so Pater Genadij.
Pater Genadij begann mit der Umsetzung dieser sozialen Mission der Kirche, nachdem er die Gelegenheit hatte, Bulgarien zu besuchen. In seinem Heimatland beeindruckten ihn die Geschichte des ersten Jahrtausends und die soliden Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen dem bulgarischen Staat und der Kirche. Nach Worten von Pater Genadij ist es gar nicht so einfach, eine spirituelle Brücke zwischen Kirche und weltlicher Macht zu schlagen, da es sich um zwei völlig unterschiedliche Institutionen handelt. Jede von ihnen hat ihre eigene Struktur, ihre eigenen Kanons und Gesetze, und um Einigkeit zwischen ihnen zu erreichen, muss zunächst einmal der menschliche Wille vorhanden sein. Genau diese spirituelle Brücke ist in Pater Genadijs Projekt „Die große Basilika – von Pliska nach Arzys“ vorgesehen, die Bulgarien und die Bessarabien-Bulgaren in dem von ihm geplanten Haus der Brüderlichkeit verbinden soll.
„Ich brauchte dringend einen neutraleren Raum im Kirchhof, und die Basilika bietet diese Möglichkeit“, erklärte Pater Genadij. „Sie ist die beständigste architektonische Form von der Antike bis heute, also dachte ich mir, warum sollten wir das nicht wiederholen.“
Der Bau in der Stadt Arzys begann 2011 auf einer Fläche von 14 Hektar. Dort haben bessarabische Bulgaren aus der Umgebung mit freiwilliger Arbeit und Spenden die Basiliken der alten bulgarischen Städte Nessebar und Pliska in Originalgröße nachgebaut, mit Elementen aus der Tempelarchitektur von Preslaw und Weliko Tarnowo.
Der Komplex, der bereits zu 70 Prozent fertiggestellt ist, umfasst eine Kirche mit Atrium, eine Rotunde mit Baptisterium, ein Haus der Barmherzigkeit, ein Museum des Alten Testaments, Küchen, Räume für Obdachlose, Handwerkswerkstätten, eine Schule und Wohnungen.
Auch Bulgaren unterstützen das Projekt finanziell, da sie in dem zukünftigen Komplex nicht nur die Wiederbelebung der glorreichen Rolle Bulgariens als Aufklärer sehen, sondern auch ein Zentrum des lebendigen Glaubens, das unsere Beziehungen zu unseren bessarabischen Brüdern in einer großen orthodoxen Familie stärken wird.
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Übersetzung: Antonia Iliewa
Redaktion: Rossiza Radulowa
Gestaltet von Rossiza Radulowa