Autor
Weneta Nikolowa
Artikel
Sonntag 4 Januar 2026 08:53
Sonntag, 4 Januar 2026, 08:53
FOTO thermalassociation.bg
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Bulgarien sticht mit seinen über 225 Mineralwasserquellen auf der Landkarte der Thermalquellen in Europa deutlich hervor. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden um sie herum Städte, öffentliche Bäder und ein ganzer Kult um das heilende Wasser. Dennoch gibt es bis heute kein staatliches Register, aus dem hervorgeht, wo sich diese Einrichtungen befinden, welche davon in Betrieb sind und in welchem Zustand. Um diese Lücke zu schließen, hat die Bulgarische Vereinigung für das thermale Erbe (BATN) eine interaktive Karte erstellt. https://thermalassociation.bg/. Aus ihr geht hervor, dass die Lage keineswegs rosig ist. Von den einstigen 125 Bädern sind nur etwa 50 in Betrieb, viele davon in einem schlechten Zustand. Tatsächlich funktionieren nur 20 bis 25 Mineralbäder gut, wie wir von Architekt Iwajlo Sachariew von der BATN erfahren.
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„Die Mineralbäder haben in Bulgarien Tradition. Dort geht man unbekleidet hinein, Männer und Frauen sind getrennt, um die Entspannung im Mineralwasser zu genießen. Dass die Geschlechter unter sich sind, macht das Bad noch entspannter, weil man sich keine Gedanken darüber machen muss, wie man aussieht. Im Mittelpunkt stehen das Mineralwasser und die Balneologie. In der Regel entspringt das Mineralwasser direkt unter dem Bad und das Wasser im Becken wird ständig erneuert“, erklärt Sachariew.
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Während das Wasser in den SPA-Zentren chemisch aufbereitet wird, weil die Gäste in Badeanzügen hineingehen, ist das traditionelle Bad „lebendig“, weil es ständig mit frischem Wasser gespeist wird. Es ist ein Ort der Erholung, Reinigung und der Gesundheitspflege. Architekt Iwajlo Sachariew geht auch auf den historischen Kontext dieses Reichtums ein.
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„Die Bäder sind in unseren Breitengraden ein sehr altes Phänomen. Die Römer bauten sie als Erste. In Bulgarien gibt es mehrere erhaltene, recht große Gebäude. Die größten Thermen wurden kürzlich in Ratiaria in der Nähe des Dorfes Artchar bei Widin entdeckt. Es ist weltweit das drittgrößte römischen Bad, das bisher entdeckt wurde. An vierter Stelle stehen die römischen Thermen in Warna an der bulgarischen Schwarzmeerküste, die in ein Museum umgewandelt wurden.“
Die Badekultur der Römer wurde vom Osmanische Reich übernommen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Bulgarien ein unabhängiges Königreich wurde, wurde mit dem Bau größerer Bäder begonnen. Beispiele dafür sind das Zentrale Mineralbad in Sofia, das Bad in Bankja, in Gorna Banja und in Owtcha Kupel - Juwele der Badarchitektur.
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In der Zeit nach der Wende von 1989 wurden die meisten Bäder dem Verfall überlassen, einige wenige in luxuriöse Wellness-Zentren umgewandelt. Das bescheidene Bad in Pantascharewo ist das einzige der 12 Mineralbäder in der Hauptstadt, das sich seine Ursprünglichkeit bewahrt hat und nach dem Modell der alten Bäder funktioniert.
„Wenn man sich die Karte anschaut, die wir erstellt haben, erkennt man, dass es in Südbulgarien viel mehr Mineralwasserquellen gibt als in Nordbulgarien und dass sich die meisten balneologischen Zentren dort befinden. In der Umgebung von Hissarja gibt es viele. Von den einstigen sechs Bädern in der Stadt selbst ist heute nur noch ein einziges in Betrieb. In Streltcha, Starosel, Krasnowo und im Dorf Banja bei Karlowo sind die Bäder in gutem Zustand und werden aktiv genutzt.“
In der Region Stara Sagora beeindruckt das Bad im Dorf Jagoda, das sorgfältig restauriert wurde und als ein echtes architektonisches Juwel aus dem Anfang des vergangenen Jahrhunderts heraussticht. Bemerkenswert im Süden Bulgariens sind die Mineralbäder von Haskowo, die ebenfalls renoviert wurden und gut gepflegt werden. Sehr starke Traditionen in der Balneologie gibt es auch in der Umgebung von Welingrad, wo die sechs Anlagen fast vollständig in Betrieb sind, sowie in der Region Melnik und Petritch. Beispiele für diesen Teil des Landes sind die Bäder in Marikostinowo, Kresna, Simtli und Jakoruda.
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„Leider hat der Staat zwar gute Absichten und verspricht die Wiederherstellung der alten Bäder, die Realität sieht aber ganz anders aus. Konkrete Pläne für die Entwicklung und Sanierung gibt es nur für einen kleinen Teil der verfallenen Mineralbäder ", sagte Architekt Sachariew abschließend.
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Übersetzung: Georgetta Janewa
Gestaltet von Georgetta Janewa