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„Heilige Geschichten und fantastische Landschaften“ im BKI Berlin zu Weihnachten

Mittwoch, 24 Dezember 2025, 16:05

Das Gemälde „Zwischen zwei Epochen / Noch ein Weihnachten“ von Andrej Daniel

Das Gemälde „Zwischen zwei Epochen / Noch ein Weihnachten“ von Andrej Daniel

FOTO Olympia Nikolowa

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Drei Künstler mit einer jeweils eigenen Bildsprache bereichern biblische Szenen und verbinden sie zu einer einzigen Erzählung der Geburt Christi in der Ausstellung „Heilige Geschichten und fantastische Landschaften“ im Bulgarischen Kulturinstitut in Berlin. Ausgehend vom Kanon und getragen von ihrer Vorstellungskraft schaffen sie ein Gefühl tiefer Authentizität eines Ereignisses, das uns in jene Zeit zurückführt, in der Gott geboren wurde. 

Die Werke von Andrej Daniel, Atanas Atanassow und Stanimir Schelew zeigen, dass das Wunder nicht nur in der göttlichen Figur selbst liegt, sondern auch in der unbegrenzten Kraft menschlicher Vorstellung und Begabung, meint Olympia Nikolowa, Kuratorin der Ausstellung. 

„Weihnachten“ – Stanimir Schelew

FOTO Olympia Nikolowa

„Das sind sehr ernsthafte und bedeutende Künstler, die den Betrachter mit ihrer Kunst nicht von Thesen überzeugen wollen, sondern ihn vielmehr dazu anregen, über etwas nachzudenken, das vor langer Zeit geschehen ist und doch unsere Zivilisation geprägt hat, sagt sie. „Denn die Definition der Nächstenliebe, die 33 Jahre nach der Geburt Christi entstand, hat einen tiefen Abdruck in der Menschheitsgeschichte hinterlassen – nicht nur im Christentum, sondern auch in der modernen Welt. Und selbst 2.025 Jahre später definieren wir noch immer, was es heißt, den Nächsten zu lieben, was Liebe ist.“ 

FOTO Olympia Nikolowa

Neben mehreren Ikonen präsentiert Stanimir Schelew auch Zeichnungen biblischer Szenen, die sich durch Feinheit und Sensibilität auszeichnen und jede Geste präzise erfassen. Das Gemälde „Zwischen zwei Epochen / Noch eine Geburt Christi“, 1995 von Andrej Daniel geschaffen, besticht durch ein Spiel von Schatten und Licht, durch Festlichkeit und Größe und stellt die Weihnachtsszene feierlich, zugleich aber sehr menschlich dar. Atanas Atanasow wiederum gestaltet eine feinsinnige Malerei auf dreidimensionalem Stein, dessen fantastische Landschaften die Verbindung zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen mit einem an die Renaissance erinnernden Ansatz betonen.

FOTO Olympia Nikolowa

Die Ausstellung sucht den tiefen Dialog mit dem klassischen Erbe des alten Kontinents. Während die Darstellung des Heiligen Landes bei früheren Meistern häufig auf schriftlichen Beschreibungen und nicht auf direkter visueller Erfahrung beruhte, setzen die drei Künstler die Tradition einer imaginären Geografie mit zeitgenössischen Mitteln fort. 

„Sie verhalten sich wie sehr ernsthafte Jazzmusiker, die alles beherrschen – sowohl das Klassische als auch die Improvisation“, betont die Kuratorin. „So schlagen sie eine Brücke zwischen Kanon und zeitgenössischen Interpretationen. Auf der Grundlage der Traditionen übertragen sie diese Themen auf eigene Weise. Aufmerksame Betrachter werden Anspielungen sowohl auf die Ikone als auch auf die Fresken Giottos und auf niederländische Meister entdecken. Das ist eine ernsthafte Eklektik, die nicht nur beweist, dass sie ihr Handwerk beherrschen, sondern auch, dass sie gebildete Künstler sind.“ 



Werk von Atanas Atanassow

FOTO Olympia Nikolowa

Abschließend richtet sich Olympia Nikolowa an die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung in Berlin, die sich durch die Werke der bulgarischen Künstler auf das Weihnachtsfest einstimmen lassen:

„Ich hoffe, jeder wird unseren Wunsch spüren, andere Blickwinkel zu zeigen. Vielleicht ist eines der wertvollsten Dinge an der Kunst, dass sie die Menschen zum Nachdenken bringt, zum Beobachten, zum Zweifeln, zum Hinterfragen von Paradigmen und dazu, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Und auch wenn die Künstler eine alte Geschichte erzählen, ist neben ihrer Ernsthaftigkeit ein spielerisches Moment der Kunst zu spüren – ebenso wie die Hoffnung von Weihnachten. Denn was wären wir ohne Hoffnung? Jedes Fest, und besonders das bevorstehende, beruht auf der Überzeugung, dass wir selbst nach der dunkelsten Nacht und nach dem dunkelsten Ereignis die Hoffnung bewahren und den nächsten Schritt tun müssen.“ 

Übersetzung: Lyubomir Kolarov