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Joan Kolew
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Donnerstag 1 Januar 2026 10:30
Donnerstag, 1 Januar 2026, 10:30
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145 Jahre nach seiner Einführung verschwand der Lew aus dem Umlauf und wurde in Bulgarien als Zahlungsmittel durch die einheitliche europäische Währung ersetzt.
Der offizielle Umlauf des bulgarischen Lew begann am 4. Juni 1881. Am selben Datum im Jahr 2025 erklärten die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank in außerordentlichen Konvergenzberichten, dass Bulgarien bereit sei, der Eurozone zum 1. Januar 2026 beizutreten.
Die erste bulgarische Banknote – Vorderseite
FOTO RHS - Gabrowo
Die erste Banknote mit der Seriennummer 000001 wurde am 1. August 1885 in Sankt Petersburg gedruckt. Ihr Nennwert betrug 20 Lew, ihre Größe 150 × 97 Millimeter. In der linken Ecke der Banknote befand sich ein Wasserzeichen der Bulgarischen Nationalbank. Das Original der ersten bulgarischen Banknote wird im Historischen Museum von Gabrowo aufbewahrt.
Als möglicher Vorläufer des bulgarischen Lew gelten die niederländischen Löwenthaler, die im 17. Jahrhundert auf bulgarischem Gebiet in Umlauf kamen.
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Wie verlief die Geschichte des bulgarischen Lew?
Eines der ersten wichtigen Errungenschaften des jungen bulgarischen Staates nach der Befreiung im Jahr 1878, das seine Souveränität erheblich stärkte, war das Recht auf eine eigene Währung.
1880 verabschiedete die Volksversammlung das „Gesetz über das Recht zur Münzprägung im Fürstentum“, mit dem die nationale Währungseinheit Bulgariens – der Lew – geschaffen wurde. Ab 1885 erhielt die Bulgarische Nationalbank das Recht, auch Banknoten auszugeben, zunächst mit Golddeckung, ab 1891 auch mit Silberdeckung.
Die bulgarischen Banknoten wurden in renommierten Druckereien in Großbritannien, Russland, Deutschland und Frankreich hergestellt.
Christian Atanassow
FOTO Privatarchiv
„Der Löwenthaler war den Osmanen zweifellos bekannt und wurde im 16. und 17. Jahrhundert im Osmanischen Reich verwendet. Die Osmanen gehörten zur sogenannten Silberwelt, zu der auch Indien und China zählten, wo vor allem silberne Münzen im Umlauf waren“, erklärte in einem Interview für Radio Bulgarien der Dozent am Lehrstuhl für Politische Ökonomie der Wirtschaftsuniversität Sofia, Christian Atanassow. „Im 16. und 17. Jahrhundert nutzten die Osmanen vor allem den Akçe, doch dieser verlor rasch an Wert und diente zunehmend nur noch als Recheneinheit. Nach und nach setzten sich niederländische, deutsche und böhmische Taler auf den Märkten durch, die bei der Bevölkerung auf dem Balkan sehr beliebt waren. Wahrscheinlich wegen ihrer Größe und des Löwenkopfes auf der Münze können sie als Vorbild des bulgarischen Lew gelten. Sie blieben bis zur Befreiung auf den osmanischen Märkten und insbesondere auf bulgarischem Boden im Umlauf“, sagte Atanassow.
Der Löwenthaler
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Neben diesen Münzen kursierte im Osmanischen Reich eine große Vielfalt an Zahlungsmitteln aus verschiedenen Ländern sowie die eigene osmanische Währung – der Kuruş (Groschen).
„Dabei handelte es sich um eine größere Silbermünze, unterteilt in Groschen, Pará und Akçe. 1844 wurde ein Gold-Silber-Standard eingeführt, und es begannen Prägungen von Goldlira, die in festem Wechselkurs zu den silbernen Groschen standen. Dieser Standard blieb bis zum Ende des Reiches nach dem Ersten Weltkrieg bestehen. Während und nach den Kriegen – dem Krimkrieg, dem Russisch-Türkischen Krieg und dem Ersten Weltkrieg – wurden auch Papiergeld, sogenannte Kaime, gedruckt, um Haushaltsdefizite zu finanzieren. Als der bulgarische Lew entstand, gab es also bereits Erfahrungen sowohl mit dem Gold-Silber-Standard als auch mit Papiergeld. Dieses Wissen wurde nach der Befreiung übernommen, als 1880 das Gesetz zur Prägung des bulgarischen Lew verabschiedet und die Währung an den französischen Franc gekoppelt wurde. Papiergeld wurde eingeführt, dem die Bevölkerung jedoch mit großem Misstrauen begegnete, da sie sich an die rasche Entwertung des osmanischen Kaime erinnerte“, erklärte Atanassow.
1894 erschienen die ersten bulgarischen Goldmünzen, doch sie blieben nur kurze Zeit im Umlauf – bis zum Ersten Weltkrieg.
Die ersten Silbermünzen nach der Befreiung
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„Das damalige Finanzministerium bevorzugte die Prägung von Silberlew, da durch den Geldemissionsgewinn – also die Differenz zwischen den Herstellungskosten einer Geldemission und ihrem Nennwert – zusätzliche Einnahmen für den Staat erzielt werden konnten. Ein Goldstandard wurde daher in Bulgarien nie dauerhaft übernommen“, sagte Atanassow.
Von der Befreiung im Jahr 1878 bis 1952 wurden alle bulgarischen Münzen im Ausland geprägt. Nach Ansicht unseres Gesprächspartners sei jedoch die Gründung der Münzanstalt kein entscheidendes Symbol der Unabhängigkeit gewesen, da der bulgarische Lew in verschiedenen historischen Perioden stets an eine Fremdwährung gebunden war – an den französischen Franc, den russischen Rubel, die deutsche Mark und seit 2002 an den Euro. Die einzige Phase ohne feste Bindung war die Zeit der Hyperinflation Ende des 20. Jahrhunderts, die zur Einführung des Währungsboards führte.
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Seit dem 1. Januar 2026 ist Bulgarien Teil der Eurozone. Im ersten Monat wurden beide Währungen parallel verwendet, danach ging der Lew endgültig in die Geschichte ein. „Er wird sicherlich einen emotionalen Wert behalten und für Sammler interessant sein. Der Lew kann weiterhin zum festen Kurs in Euro umgetauscht werden (1 Euro = 1,95583 BGN). Auch lange nach dem Ende der Umstellungsphase werden vergessene oder aufbewahrte Lew-Beträge noch gewechselt werden können“, erklärte Christian Atanassow und richtete einen Rat an Menschen, die der Ablösung des Lew mit Sorge begegneten:
„Ich weiß, dass jede Veränderung schwerfällt. Dennoch sollten die Menschen mehr Vertrauen in die Institutionen haben, auch wenn das leichter gesagt als getan ist. Meiner Ansicht nach wird der Prozess reibungslos verlaufen. Ich rate dazu, einige Lew als Erinnerung aufzubewahren, zugleich aber nach vorn zu schauen – denn der Euro ist ein Schritt in eine bessere Zukunft für das Land“, sagte Atanassow abschließend.
Übersetzung: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov