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Bulgarien auf dem Balkan – Teil 1

Die EU-Staaten im östlichen Teil des Balkans festigten 2025 ihre Beziehungen

Montag, 29 Dezember 2025, 11:07

Die EU-Staaten im östlichen Teil des Balkans festigten 2025 ihre Beziehungen

FOTO mediamall.info

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An der Schwelle zum neuen Jahr 2026 hat Radio Bulgarien Journalisten und Experten um ihre Meinung zum wichtigsten Ereignis im Südosten Europas für das Jahr 2025 gebeten, bewertet durch das Prisma der bilateralen Beziehungen zwischen Bulgarien und seinen Nachbarn.

Bulgarien und Griechenland bestätigten das Ende aller Nachkriegsreparationen

Vor dem Hintergrund der intensiven Kampfhandlungen im Schwarzen Meer arbeiten die EU-Mitgliedstaaten Bulgarien, Rumänien und Griechenland sowie die NATO-Verbündete Türkei aktiv auf bilateraler und multilateraler Ebene daran, den Frieden und die Verständigung im östlichen Balkan zu wahren. Für Prof. Jura Konstantinowa vom Institut für Balkanistik an der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften ist das wichtigste Ereignis in den bulgarisch-griechischen Beziehungen im Jahr 2025 die gemeinsame Erklärung von Sofia und Athen, dass sie keine gegenseitigen Ansprüche für Reparationen und Verpflichtungen mehr haben, die noch aus den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert stammen. Aus Athen, wo sie an ihrem neuesten Buch über die griechisch-bulgarischen Beziehungen arbeitet, erklärte Prof. Konstantinowa in einem Telefoninterview für Radio Bulgarien folgendes:

FOTO balkanstudies.bg

„Meiner Meinung nach ist das wichtigste Ereignis in den bilateralen Beziehungen zwischen Bulgarien und Griechenland 2025 die Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung am 2. Mai, in der Bulgarien und Griechenland bestätigen, dass am 9. Juli 2024 die 60-jährige Frist für die Verpflichtung Bulgariens zur kontrollierten Lieferung Wasser aus dem Fluss Arda an Griechenland abgelaufen ist. Diese Verpflichtung Bulgariens resultiert aus dem am 9. Juli 1964 unterzeichneten Abkommen zur Regelung der offenen Finanzfragen und zur Entwicklung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der damaligen Volksrepublik Bulgarien und dem Königreich Griechenland. Auf der Grundlage dieses Abkommens zahlte die bulgarische Seite Reparationen, die aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis zum Zweiten Weltkrieg stammen, einschließlich Gegenforderungen, die vor der Unterzeichnung des Abkommens entstanden sind. So lieferte Bulgarien über einen Zeitraum von 60 Jahren jährlich 186 Millionen Kubikmetern Wasser aus dem Fluss Arda für die Bewässerung der griechischen Anbauflächen", erläutert Prof. Konstantinowa. Mit der am 2. Mai 2025 unterzeichneten gemeinsamen Erklärung wurde bestätigt, dass diese Verpflichtung Bulgariens erfüllt ist. Mit derselben Erklärung verpflichtet sich Bulgarien, in den nächsten fünf Jahren weiterhin Wasser aus dem Fluss Arda an Griechenland zu liefern, allerdings gegen Bezahlung. Die Menge und Parameter sollen jährlich festgelegt werden.“



FOTO REUTERS

Für 2026 erwartet Prof. Konstantinowa, dass die praktischen Schritte zur Verwirklichung der sogenannten vertikalen Achse, die das Ägäische Meer und das Schwarze Meer verbinden soll, bekannt gegeben werden. Ein Ende 2025 in Brüssel unterzeichnetes Memorandum zwischen Griechenland, Bulgarien und Rumänien eröffnet Möglichkeiten für eine beschleunigte Planung, Finanzierung und den Bau neuer Eisenbahn-, Straßen-, Wasser- und Energieanlagen, die die drei Länder verbinden. Trotz des bekundeten politischen Willens zu konkreten Maßnahmen sagt die Forscherin, dass sie sich nicht damit engagieren würde vorherzusagen, ob dies zur Öffnung des bereits gebauten, aber weiterhin geschlossenen neuen Grenzübergangs zwischen Rudosem und Xanthi führen würde.

Rumänien, Bulgarien und Griechenland beginnen strategische Vernetzung

 

„Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine befinden sich die Beziehungen zwischen Bulgarien und Rumänien im Aufwärtstrend“, sagt der Journalist und Analyst Wladimir Mitew von der rumänischen Redaktion von Radio Bulgarien, Autor des Blogs „Die Brücke der Freundschaft“.

Wladimir Mitew

FOTO persönliches Archiv

Ein wichtiger Schritt im vergangenen Jahr war, dass beide Länder vollständig in den Schengen-Raum aufgenommen wurden. Am 3. Dezember wurde in Brüssel ein Memorandum zwischen Griechenland, Bulgarien und Rumänien unterzeichnet, das den Ausbau des Verkehrskorridors zwischen dem Schwarzen Meer und der Ägäis vorsieht und das erscheint mir am wichtigsten.In Bulgarien und in der gesamten Region wird das als Durchbruch angesehen, da neue Brücken geplant sind. Es ist eine bedeutende und systematische Entwicklung aller Arten von Infrastrukturverbindungen vorgesehen. Das wird voraussichtlich der nächste Schritt nach vorn in den Beziehungen in unserer Region sein, den wir im nächsten Jahr beobachten werden", betont Mitew und fügt hinzu, dass eine Notwendigkeit für den Bau einer zweiten Donaubrücke besteht, da sich der Verkehr nach dem Schengen-Beitritt beider Länder intensiviert hat.


Blick auf die zukünftige Brücke bei Giurgiu-Russe, wenige Kilometer von der derzeitigen entfernt. (Visualisierung: Iwan Beltchew)

FOTO friendshipbridge.eu

„Rumänien und Bulgarien hatten lange Zeit einen Streit, über den die Medien nicht viel berichtet haben. Rumänien beanstandete, dass Bulgarien die Donau nicht ausreichend ausbaggert und forderte, dass sich unser Land dem Projekt FAST Danube 2 anschließt. Das ist 2025 geschehen. Auf bulgarischer Seite gab es in den Kreisen, die versuchen, die Infrastrukturprojekte voranzutreiben, eine gewisse Unzufriedenheit darüber, dass sie von Rumänien immer wieder hinausgezögert werden. Es wurde gemunkelt, dass Rumänien etwas verhindern wolle. Zum Jahresende beobachten wir, dass sich die Dinge jetzt zum Guten wenden. Vielleicht liegt das daran, dass unsere Partner von der EU und NATO gewillt sind, die Infrastruktur in der Region zu entwickeln. Es wäre für alle Seiten von Vorteil", unterstreicht Wladimir Mitew.

 

Der Überblick über die Beziehungen Bulgariens zu seinen Nachbarn auf dem Balkan im Jahr 2025 wird am 30. Dezember mit Kommentaren zu den wichtigsten bilateralen Ereignissen mit der Türkei, Serbien und Nordmazedonien fortgesetzt.

 

Übersetzung: Georgetta Janewa