Autor
Joan Kolew
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Montag 5 Januar 2026 08:45
Montag, 5 Januar 2026, 08:45
Rajna Mandschukowa
FOTO aba.government.bg
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Die Exekutivagentur für die Auslandsbulgaren (EAB) blickte auf ein schwieriges, zugleich aber erfolgreiches Jahr zurück. Weltweit arbeitet die Agentur mit mehr als 1.000 bulgarischen Organisationen zusammen und vertiefte diese Kooperationen weiter. Darüber hinaus gelang es dem engagierten Team, zahlreiche für die bulgarischen Gemeinschaften im Ausland wichtige Initiativen, Besuche und Begegnungen vorzubereiten und umzusetzen – jede einzelne davon wurde als Zeichen der Aufmerksamkeit und Anerkennung seitens des bulgarischen Staates verstanden.
Im Laufe des Jahres 2025 fanden erstmals Besuche in Skandinavien statt:
„Schweden, Dänemark und Norwegen standen in den vergangenen Jahren überhaupt nicht im Fokus der Agentur. Einer der Gründe ist, dass es sich um Länder handelt, in denen es praktisch keine alte Emigration gibt“, erklärte die geschäftsführende Direktorin Rajna Mandschukowa in einem Überblicksinterview für Radio Bulgarien. „Lediglich in der schwedischen Stadt Malmö existierte eine Organisation, die ihr 40-jähriges Bestehen feierte – die Bulgarische Kirchengemeinde ,Mariä Geburt‘. In Norwegen wiederum begann sich die bulgarische Gemeinschaft erst im 21. Jahrhundert zu formieren. Dort fehlen die Traditionen früherer Organisationen, der Zugang ist schwieriger und Kontakte lassen sich nicht leicht herstellen. Deshalb hatten wir uns zum Ziel gesetzt, Verbindungen zu den Bulgaren in diesem Teil Nordeuropas aufzubauen. Ende 2024 konnten wir Schweden und Dänemark besuchen, im Jahr 2025 dann Finnland und Norwegen, wo wir auf junge, interessante Menschen und Organisationen trafen, die den Wunsch haben, sich zu vernetzen – und wir haben den Wunsch, sie zu unterstützen.“
Die Weihnachtsfeier der bulgarischen Kirchengemeinde „St. Marien“ in Malmö
FOTO Orthodoxe Kirche der Heiligen Mutter Gottes in Malmö/Facebook
Nach Angaben des bulgarischen Außenministeriums leben und arbeiten 7.735 bulgarische Staatsbürger in Norwegen. Die Gemeinschaft ist damit durchaus beachtlich, weshalb Bulgarien seit 2025 dort einen eigenen Honorarkonsul hat – den Pianisten Kiril Kutin.
Rajna Mandchukowa und Kiril Kutin
FOTO Bulgarische Botschaft in Oslo
Ein zentrales Ziel der Exekutivagentur für die Auslandsbulgaren im Jahr 2026 ist der Aufbau von Kontakten zu den bulgarischen Gemeinschaften in den baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland:
„Nur in Lettland gibt es eine Organisation, von der wir wissen – die Lettisch-Bulgarische Kulturgesellschaft ,Kyrill und Method‘“, erläuterte Mandschukowa. „In Litauen und Estland existieren Gemeinschaften, die wir in den sozialen Netzwerken beobachten. Man sieht, dass sie sich treffen und austauschen, aber keine formelle Organisation haben – zumindest ist uns keine bekannt. Außerdem ist es uns bislang nicht gelungen, Polen zu besuchen, obwohl es dort zwei bulgarische Schulen gibt und Kinder von dort an unseren Wettbewerben teilnehmen. Auch das ist ein Punkt, den wir für 2026 auf unserer Agenda haben“, sagte Mandschukowa.
Ausstellung zum Tag der bulgarischen Kultur der Bulgarischen Kulturgesellschaft Lettlands „Kyrill und Method“
FOTO aba.government.bg
Ende 2024 kündigte Rajna Mandschukowa die Schaffung des Informationsportals „103 Schritte zum Erfolg“ an. Darin sollen Daten über alle im Ausland lebenden Bulgaren gesammelt werden, die im Rahmen des Beschlusses Nr. 103 des Ministerrats sowie früherer Regierungsentscheidungen aus den Jahren 1992, 1991 und 1990 an bulgarischen Universitäten studiert haben. Derzeit liegt das Projekt in Form einer Umfrage vor.
„Wir bemühen uns, möglichst viele Menschen zu erreichen, damit sie so schnell wie möglich ausgefüllt wird. Man darf jedoch nicht vergessen, dass seitdem mehr als 30 Jahre vergangen sind. Zu den ersten Studierenden, die 1989 hier ankamen, gehörten ich selbst und acht weitere Kollegen. Ich erinnere mich auch an die erste abenteuerliche Ankunft von zwei Bussen mit Auslandsbulgaren im Oktober 1990, organisiert vom Verein ,Rodoljubez‘. Viele von ihnen sind bis heute hiergeblieben, weil sie sich entschieden haben, in Bulgarien zu bleiben. Das sind wirklich viele Jahre, und es wäre unrealistischer Optimismus zu glauben, wir könnten all diese Menschen erreichen. Deshalb haben wir uns an Vertreter der Universitäten gewandt, an denen solche Studierenden gelernt haben, um über deren Netzwerke, Clubs und Kontakte Unterstützung zu erhalten“, betonte Mandschukowa.
Bibliothek und Informationszentrum der EAB
FOTO aba.government.bg
Im vergangenen Jahr wurde bei der Exekutivagentur für die Auslandsbulgaren zudem ein Bibliotheks- und Informationszentrum eingerichtet, das sich rasch zu einem bevorzugten Treffpunkt für Landsleute aus aller Welt entwickelte und zu einem Ort, an dem neue Vereinigungen ihre ersten Schritte machen. Dazu gehörte auch die Assoziation der bulgarischen Kulturvereine im Ausland, zu deren Vorsitzende Wessela Rajtschinowa gewählt wurde.
Zu den Veranstaltungen, die im vergangenen Jahr mit Unterstützung und Beteiligung der Agentur stattfanden, zählten das erste Festival der bulgarischen Folkloreensembles im Ausland in Weliko Tarnowo, das vierte kreative Begegnungs- und Seminarforum der Assoziation der Folkloreensembles im Ausland in Sofia sowie die Präsentation des Dokumentarfilms „Die Magie des bulgarischen Reigens“ der Journalistin Milena Milotinowa. Der Film entstand während zweier großer bulgarischer Veranstaltungen im Ausland im Jahr 2025 – dem „Fest der Buchstaben“ in Mailand und „Auf dem Dorfplatz des anderen Bulgariens“ in Lyon.
„Der große Reigen“ im Zentrum von Lyon – Teil des Programms des Festivals „Auf dem Dorfplatz des anderen Bulgariens“.
FOTO BTA
Zu den Plänen der Agentur für das laufende Jahr gehört die Organisation eines weiteren Seminars mit bulgarischen Vereinen aus aller Welt, bei dem für die Gemeinschaften wichtige Themen diskutiert werden sollen. Die Erfahrungen aus dem ersten Forum dieser Art in Budapest zeigen, dass solche Treffen für beide Seiten von großem Nutzen sind:
FOTO aba.government.bg
„Wir führten das Treffen nach Ostern – am 26. und 27. April 2025 – mit Unterstützung der Bulgarischen Republikanischen Selbstverwaltung durch, mit dem Ziel, verschiedene Modelle bulgarischer Organisationen weltweit vorzustellen. 30 Personen reisten aus unterschiedlichen Ländern an, um an diesen beiden Tagen als Teilnehmende dabei zu sein“, erklärte Mandschukowa.
Für 2026 werde das Treffen ein neues Thema, eine neue Gastgeberstadt und neue Teilnehmende haben, kündigte Rajna Mandschukowa an und zeigte sich von der Nützlichkeit eines solchen Forums überzeugt. Wie bisher werde Radio Bulgarien auch im kommenden Jahr über alles Wichtige aus der Arbeit und den Initiativen der Exekutivagentur für die Auslandsbulgaren informieren sowie über das Leben, die Probleme und die Erfolge der bulgarischen Gemeinschaften weltweit berichten.
Übersetzung: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov