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Zwetana Tontschewa
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Freitag 9 Januar 2026 20:00
Freitag, 9 Januar 2026, 20:00
Petar Ljondew (1936 – 2018)
FOTO ubc-bg.com
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Eines der ältesten Instrumente der Welt – die Hirtenflöte – hat den Klang der Jahrtausende bewahrt. In Bulgarien ist sie ein Symbol der Volksmusik und Kultur und ein untrennbarer Bestandteil der Folklore, insbesondere in Thrakien, im Ludogorie-Gebiet und in der Dobrudscha (beide Gebiete sind im Nordosten Bulgariens). Für die Bulgaren ist die Hirtenflöte nicht nur ein Instrument, sondern die Stimme der Heimat, ein Symbol der Spiritualität, das die Verbindung zur Natur und zu den Traditionen verkörpert und ein wichtiger Teil der nationalen Identität ist. Zahlreich sind die Volkstexte, die dieses außergewöhnliche Instrument mit seinem einzigartigen Timbre und seinen großen Ausdrucksmöglichkeiten besingen. Das melancholische Lied „Spielt die Hirtenflöte? “ in der Bearbeitung von Christo Todorow gehört zu den beliebtesten Stücken im Repertoire der legendären Gjurga Pindschurowa.
Das Reigenlied „Die Hirtenflöte spielt“ in der Version von Kosta Kolew ist in der Interpretation der großen Nadka Karadschowa Generationen von Bulgaren ans Herz gewachsen.
Doch „Die Hirtenflöte spielt“ in der Chorbearbeitung des Komponisten Petar Ljondew ist seit mehreren Jahrzehnten ein Welthit, der von Dutzenden Pop- und Rap-Künstlern interpretiert und zitiert wurde – darunter auch von einer der provokantesten, exzentrischsten und vielseitigsten Superstars des Planeten: Lady Gaga, die 2017 ein Video zu diesem Lied in ihrem autobiografischen Dokumentarfilm „Gaga: Five Foot Two“ verwendete.
Der knappe und schlichte Text des Liedes erzählt von einem jungen Mädchen, das seiner Mutter anvertraut, wie neugierig es ist zu erfahren, wer unweit des Dorfes die Hirtenflöte spielt. Ist der Musiker bekannt und ein Dorfbewohner, hat er keine Chance, ihre Liebe zu gewinnen. Kommt er jedoch von weit her aus einem anderen Ort, gehört ihr Herz ihm für immer. Das 1979 entstandene Lied wurde in die zweite Schallplatte der erfolgreichen Reihe „Das Mysterium der bulgarischen Stimmen“ aufgenommen, die 1988 vom Schweizer Produzenten Marcel Cellier herausgegeben wurde.
Autor ist der bulgarische Komponist, Pädagoge, Ethnomusikologe und Kulturaktivist Petar Ljondew (1936–2018). Er absolvierte die Musikakademie mit zwei Studienrichtungen – Folkloristik und Komposition – und arbeitete über drei Jahrzehnte als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Musikwissenschaft der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. Bei Feldforschungen zeichnete er mehr als 40.000 Volkslieder und instrumentale Melodien auf. Er veröffentlichte eine beeindruckende Zahl an Artikeln und wissenschaftlichen Arbeiten, viele davon zur thrakischen Folkloreregion.
Der Komponist Petar Ljondew mit dem „Jubiläum“-Preis bei der Umfrage des BNR „Musiker des Jahres 2016“
FOTO Ani Petrowa
Zudem ist er Autor von über 700 Kinderliedern, die beliebt sind, häufig aufgeführt und vielfach bei Wettbewerben und Festivals ausgezeichnet wurden. Seine choralen Folklorebearbeitungen gelten als Klassiker des Genres und werden weltweit erfolgreich von bulgarischen und internationalen Ensembles präsentiert.
Heute gehört „Die Hirtenflöte spielt“ zum Repertoire von mehr als 80 Chören weltweit. Gesungen wird es in den USA, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Frankreich, Deutschland, Italien, Schweden, Griechenland, der Türkei, Zypern, Slowenien, Serbien, dem Kosovo, Kroatien, Japan, China und Russland.
Im Sommer 2016 sagte Petar Ljondew in einem Interview für Radio Bulgarien anlässlich seines 80. Geburtstags: „Ich bin glücklich, dass ich jeden Tag von neuen Ländern erfahre, in denen meine Lieder aufgeführt werden. Jetzt möchte ich mich nur noch meinen Kompositionen widmen. Das ist es, was ich am besten kann.“
Wir erinnern an seine großartige Bearbeitung von „Die Hirtenflöte spielt“ in der Interpretation des Chors des Ensembles für Volkslieder und Tänze „Thrakien“, enthalten auf der zweiten CD der Reihe „Das Mysterium der bulgarischen Stimmen“ aus dem Jahr 1988 – Träger der weltweit bekanntesten Auszeichnung in der Tonträgerindustrie, des Grammy für das beste traditionelle Folklorealbum.
Übersetzung und Redaktion: Lyubomir Kolarov
Gestaltet von Lyubomir Kolarov